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Laufender Prozess – Der perfekte Ort zum Verstecken

In vielen Unternehmen gibt es einen Ausdruck, der wie ein Tarnumhang wirkt: „Das ist ein laufender Prozess.“

Was auf den ersten Blick professionell und geordnet klingt, ist in der Realität häufig ein Sammelbecken für alles, was niemand so richtig anpacken, entscheiden oder abschließen möchte. Ein Ausdruck, der beruhigt, vertröstet – und zugleich verhindert, dass Verantwortung übernommen wird.

Was bedeutet „laufender Prozess“ eigentlich?

Eigentlich sollte dieser Begriff beschreiben, dass ein Thema dauerhaft gepflegt, optimiert oder regelmäßig überprüft werden muss. Zum Beispiel kontinuierliche Verbesserung, Qualitätsmanagement oder strategische Weiterentwicklung.

Doch in der Praxis passiert oft Folgendes:

Kurz gesagt: Der Ausdruck entkernt das Thema und macht es unverbindlich. Es wird zu etwas, das „immer irgendwie läuft“, aber nie wirklich vorankommt.

Der „laufender Prozess“ ist gefährlich. Diese Formulierung ist bequem. Sie schützt davor, unangenehme Fragen beantworten zu müssen:

Ohne definierte Eckpunkte wird jedes Thema beliebig. Und genau darin liegt die Gefahr: Was nie konkretisiert wird, kann auch nie scheitern – aber eben auch nie erfolgreich sein.

Besonders in Meetings ist „laufender Prozess“ ein Joker: Man hat etwas gesagt, aber nichts versprochen. Bei der nächsten Besprechung lässt sich dann elegant anknüpfen: „Ja, das ist weiterhin ein laufender Prozess …“ Und schon ist man aus dem Schneider – wieder einmal.

Die Wahrheit über echte Prozesse

Der Begriff „Prozess“ hat im professionellen Kontext eine klare Bedeutung:

In gut strukturierten Unternehmen wird nichts dem Zufall überlassen. Ein Prozess ohne Ende ist kein Prozess, sondern eine Ausrede. Also bitte – keine Ausflüchte mehr. Wenn alles zum „laufenden Prozess“ erklärt wird, verliert die Organisation ihre Klarheit. Themen verschwimmen, Verantwortlichkeiten verdampfen, Fortschritte bleiben aus.

Stattdessen braucht es:

Nur dann entsteht echte Bewegung – und nicht nur der Eindruck davon.

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