Wie kann uns unser Bauch sagen, was richtig oder falsch ist?
Eine Erklärung aus der Hirnforschung: Jeder Mensch speichert all seine Erlebnisse im Gehirn ab, als positive oder negative Ereignisse. Aus diesem Wissen bildet unser Gehirn Faustregeln. Professor Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung erklärt: „Die Intelligenz des Unbewussten liegt darin, dass es weiß, welche Regel in welcher Situation vermutlich funktioniert.“
Das Unterbewusstsein entscheidet innerhalb von 200 Millisekunden und liegt häufig richtiger als unser langsamer Verstand.
Wenn wir rational entscheiden möchten, müssen wir alle Faktoren miteinbeziehen. Das ist aber mit der begrenzten Zeit meist nicht möglich. Wissenschaftler raten mehr auf die Intuition zu vertrauen und mehr dem Bauchgefühl zu überlassen.
Der Bauch weiß ziemlich genau, was er will – trotzdem muss er nicht immer recht haben. Manchmal führt uns das Unterbewusstsein in die Irre. In vielen Situationen ist es sinnvoll, nicht jedem Gefühl zu folgen.
Genauso wenig ist der Kopf besser als der Bauch. Ein Verstand ohne Gefühle trifft keine rationalen Entscheidungen, sondern willkürliche.
Die besten Entscheidungen trifft man, wenn wir beide Systeme miteinander abgleichen – zwei Drittel dem Bauch und ein Drittel dem Kopf.
Intuition kann helfen, Informationen zu filtern
Täglich müssen Ärzte, in kürzester Zeit, wichtige Entscheidungen treffen. Beispielsweise in der Notaufnahme, dort bleibt nicht viel Zeit für lange Untersuchungen. Innerhalb von Sekunden müssen Ärzte entscheiden, was mit Patienten passiert. Auf die Intensivstation oder auf die normale Station? Herzinfarkt oder nicht? Legt man alle Patienten auf die Intensivstation steigen die Kosten und die Qualität der Behandlungen sinkt.
Unterbewusste Warnsignale
Experten empfehlen, je nach Situation, die Entscheidung dem Verstand oder dem Bauchgefühl zu überlassen. Unserer Intuition sollten wir folgen, wenn wir mit etwas schon mehr Erfahrung haben oder einfach vertrauter mit dieser Situation sind. Wir stehen vor einer neuen Entscheidung und wissen nichts über die daraus folgenden Konsequenzen. In dieser Situation ist unser Verstand klar im Vorteil.
Entscheide ich besser, wenn ich ausgeruht bin?
Wir treffen langsamere Entscheidungen und gehen schneller ein Risiko ein, wenn wir Schlafmangel haben. Umso ausgeruhter ich bin, desto schneller kann ich mich entscheiden.
Habe ich ein anderes Bauchgefühl, wenn ich stehe?
Bei der Entscheidungsfindung hilft eine aufrechte Haltung. Wer öfter aufsteht oder im Stehen arbeitet hat mehr Ideen und trifft bessere Entscheidungen. Dies belegte eine Studie des Psychologen Frank Fischer.
Entscheide ich anders, wenn ich unter Stress stehe?
Stress kann das rationale Denken blockieren. Die University of Southern California zeigte durch eine Studie, dass Menschen, die gestresst sind, sich mehr auf positive Informationen konzentrieren und negative Folgen ausblenden.
Entscheide ich mich anders, wenn ich schlechte Laune habe?
Entscheidungen können beeinflusst werden durch negative Gefühle, belegte eine Studie der Universität Basel. Bevor man wichtige Entscheidungen trifft, sollte man daher gut gestimmt sein.
Nochmal eine Nacht über eine Entscheidung schlafen – ist das sinnvoll?
Komplexe Sachverhalte kann das Unterbewusstsein besser begreifen als der Verstand. Nachts wird das besonders gut verarbeitet.
Und zu guter Letzt die vielleicht wichtigste Fragestellung, welche die Intuition – also unser Bauchgefühl – am besten beantworten kann: Was für ein Mensch möchte ich sein?
Bei der Beantwortung dieser Frage stehen die Emotionen über dem rationalen Denken eines Menschen. Es geht darum, welchem Impuls ich folge. Möchte ich großzügig oder nachdenklich sein. Möchte ich gerecht oder lustig sein. Die Parameter, die hier durch das Gefühl gelenkt werden, müssen gar nicht gegensätzlich sein. Es geht um den Impuls, dem wir Menschen intuitiv folgen. Solche Impulse können kognitiv gesetzt werden. Sobald sie verinnerlicht sind, hat unser Bauchgefühl „verstanden“ was wir wollen und was gut für uns ist.
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